Ungewöhnlicher Autobahneinsatz

Abwinchen Chr 32 BravoJ. Gregori

Anfang Juni wurde eine unserer Maschinen im Rahmen der Streife zur Erkundung auf die A3 bei Sinzing alarmiert. Dass sich daraus eine derartige Lage entwickeln würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

Vor Ort bot sich folgendes Bild: Ein Lkw hatte im verengten Baustellenbereich einen Motorschaden erlitten. Ein zweiter Lastwagen scheiterte beim Versuch, das Pannenfahrzeug zu überholen; dabei verkeilten sich die beiden Fahrzeuge so unglücklich, dass sie die komplette Fahrbahn in Richtung Passau blockierten. Nach Rücksprache mit der Polizei vor Ort war für uns zunächst kein Eingreifen erforderlich, da keine medizinische Hilfe benötigt wurde.

Beim Fortsetzen der Streife wurden wir jedoch auf die Besatzung eines im Stau stehenden KTW aufmerksam, die uns um Hilfe bat. Der Zustand eines Patienten im Fahrzeug verschlechterte sich rapide und erforderte eine sofortige medizinische Intervention. Da die Fahrbahn komplett blockiert war, kam ein zügiger Weitertransport nicht infrage. Unsere Notfallsanitäterin legte umgehend einen IV-Zugang; parallel dazu nahmen wir telefonisch Kontakt mit der ILS auf. Gemeinsam wurde erörtert, wie ein Notarzt zur Einsatzstelle gelangen könnte, da eine bodengebundene Anfahrt aufgrund des massiven Rückstaus in beide Fahrtrichtungen unmöglich war.

Letztendlich wurde der Rettungshubschrauber (RTH) Christoph 32 Bravo alarmiert – einer von zwei zusätzlichen Windenhubschraubern, die während des Hochwassers in Bayern vorgehalten wurden. Der Hubschrauber, der zuvor in Regensburg im Einsatz war, flog die Autobahn an. Über Funk forderte uns der HEMS auf die Gegenfahrbahn (auf der der Verkehr noch zähflüssig lief) während des Schwebeflug abzusperren, sodass der Notarzt und der HEMS TC mittels Seilwinde abgewincht werden konnten. Nach der notärztlichen Versorgung und sobald die Fahrbahn geräumt war, wurde der Patient in Begleitung des Notarztes im KTW in ein Krankenhaus transportiert.