Einsatzspektrum und Wirkungsbereich
Die Aufgaben der Motorradstreife waren von Beginn an weit gefasst und gingen weit über die reine Unfallrettung hinaus. Als „Allrounder“ auf der Autobahn erfüllten die Einsatzkräfte eine Vielzahl an Funktionen, die in ihrer Gesamtheit die Sicherheit und Versorgung der Reisenden sicherstellten.
Zeitvorteil als Lebensretter
In der Notfallmedizin zählen oft Sekunden. Die Motorradstreife konnte hier ihre systemischen Vorteile voll ausspielen:
- Schnellstes Einsatzmittel: Statistisch konnte bereits damals belegt werden, dass die Motorradstreife in 76 % aller Fälle als erstes Rettungsmittel am Unfallort eintraf.
- Minimierung des therapiefreien Intervalls: Durch das schnelle Eintreffen konnte unmittelbar mit einer fachgerechten medizinischen Erstversorgung begonnen werden, noch bevor großräumige Rettungsmittel die Einsatzstelle erreichten.
Die „fahrende Notrufsäule“
In einer Zeit vor der flächendeckenden Verbreitung von Mobiltelefonen fungierten die Kräder als mobile Kommunikationsknotenpunkte:
- Präsenz an Brennpunkten: Gezielte Patrouillen an unfallkritischen Abschnitten ermöglichten eine sofortige Meldung von Vorfällen an die Rettungsleitstellen (RlSt).
- Kundschafter und Einweiser: Als mobile Unfallmelder lieferten die Fahrer präzise Lageberichte und unterstützten nachrückende Kräfte bei der Anfahrt.
Ganzheitliche Betreuung und Krisenintervention
Ein besonderes Merkmal der Motorradstreife war die psychosoziale Unterstützung. Sobald der Rettungsdienst die medizinische Versorgung übernahm, kümmerten sich die Kradfahrer um die „stillen“ Beteiligten:
- Angehörigenbetreuung: Zuspruch und professionelle Begleitung in Schocksituationen.
- Logistische Hilfe: Organisation von Übernachtungsmöglichkeiten, Benachrichtigung von Verwandten oder die Koordination der Heimreise.
- Besondere Fürsorge: Spezielle Betreuung für schutzbedürftige Personengruppen wie Kinder, Senioren, Menschen mit Behinderungen oder Kranke.
Technische Unterstützung und Staureduzierung
Die Hilfeleistung erstreckte sich auch auf den technischen Bereich, um den Verkehrsfluss aufrechtzuerhalten:
- Schnittstelle zur Pannenhilfe: Die Koordination mit der ADAC-Straßenwacht bei technischen Defekten war essenziell, besonders in engen Baustellenbereichen, in denen liegengebliebene Fahrzeuge binnen kürzester Zeit massive Staus verursachten.
- Überbrückung von Distanzen: Da stationäre Notrufsäulen oft kilometerweit entfernt waren, bot die mobile Streife eine sofort verfügbare Anlaufstelle.
Medizinische Versorgung im Reiseverkehr
Neben schweren Unfällen leisteten die Einsatzkräfte auf Parkplätzen und Raststätten allgemeine Erste Hilfe im weitesten Sinne:
- Akute Notfälle: Behandlung von Herzinfarkten und anderen internistischen Notfällen.
- Allgemeine Beschwerden: Linderung von Symptomen wie starken Kopf- oder Zahnschmerzen sowie Erkältungserkrankungen während der Reisezeit.